KUNST AM DEUTSCHEN ECK

Plätze für seine »Herzblättchen« hat Peter Ludwig allenthalben aufgespürt, wenn auch anfangs Städte und Gemeinden seine Bedingungen eher zähneknirschend akzeptierten. Die leidenschaftlichen Kunstsammler Peter und Irene Ludwig verlangten immer eine kommunale bzw. staatliche Gegenleistung für die Überlassung ihrer Objekte, meist in Form von Bereitstellung eines adäquaten Gebäudes oder der Beteiligung an Folgekosten. Die Vorleistungen der Stifter waren aber stets großzügig bemessene, thematisch gut abgestimmte Schenkungen bzw. Dauerleihgaben, bildeten also mehr als »nur« einen Grundstock für inzwischen weltweit renommierte Ausstellungsorte. Heute sind Städte von Köln bis Peking froh um ihre Museen und Institutionen, die in irgendeiner Form den Namen Ludwig tragen.

Deutsches Eck am Abend

Deutsches Eck am Abend

Das 1992 am Deutschen Eck in Koblenz eröffnete Ludwig Museum, etabliert im Deutschherrenhaus, hat als Bezugspunkt die konfliktreiche deutsch-französische Vergangenheit und setzt den Kontrapunkt dazu mit Sammlungen zeitgenössischer Kunst von den Nouveaux Realistes und Fluxus der 1960er über Pop-Art-Künstler des Nachbarlands bis zu den »jungen Wilden« der Figuration libre in den 1980ern und weit darüber hinaus. Die Idee zu einem solchen Museum in seiner Geburts- und Heimatstadt Koblenz fasste Peter Ludwig 1985 anlässlich der Verleihung des Kulturpreises in Dankesworte und ließ alsbald Taten folgen.

Just in jenen Tagen flammte aber auch das Koblenzer Dauerthema wieder auf: Wollen wir unsern alten Kaiser Willem am Deutschen Eck wieder haben – oder nicht? Die 25 Tonnen schwere Kupferblechfigur des 1871 in Versailles gekrönten Kaisers der ersten deutschen Einheit war am 16. März 1945 von amerikanischer Artillerie heruntergeballert worden. Eine schwarz-rot-goldene Fahne zierte statt- dessen den 1953 von Bundespräsident Theodor Heuss in den Rang eines »Mahnmals der Deutschen Einheit« erhobenen verwaisten Denkmalsockel. Die zweite Deutsche Einheit lieferte 1990 gewichtige Argumente für die Rückkehr des nun 63,5 Tonnen schweren, in Bronze gegossenen Kaisers, was am 25. September 1993 durch den größten mobilen Gittermastkran Europas erfolgte. In der ihm eigenen nonchalant weltmännischen Lebensart, die ihn genauso selbstverständlich offizielle wie verfemte DDR-Kunst sammeln ließ, hatte sich auch Peter Ludwig mit seiner Stiftung an der vom Koblenzer Verleger Dr. Werner Theisen angeschobenen Spendenaktion für einen Neuguss des Reiterstandbilds beteiligt. Für Beobachter irritierend, da gerade dieser Kaiser den -Erbfeind« Frankreich doch schwer gedemütigt hatte. Wie vertrug sich das Engagement Ludwigs mit seiner frankophilen Einstellung? Immerhin hatte er 1950 über »Das Menschenbild Pi- cassos« promoviert.

»Mich interessiert Kunst«, antwortete der Mäzen stets kurz und bestimmt auf kritische Einwände. 1925 geboren, mütterlicherseits mit der Klöckner-Industriel- lenfamilie verwandt, studierte Peter Ludwig nach 1945 Jura, dann Kunstgeschichte, Archäologie, Vor- und Frühgeschichte und Philosophie. 1951 heiratete er seine Studienkollegin Irene Monheim aus der Aachener Schokoladendynastie. 1957 begannen beide promovierten Kunstwissenschaftler mit dem Sammeln von Kunst aller Art – von präkolumbianisch bis Meißener Porzellan, ausdrücklich von Anfang an nicht für den eigenen Panzerschrank, sondern zugunsten der Öffentlichkeit und mit einem sicheren Instinkt für Qualität und Innovation.

Sammeln ist eine Form von Sucht, Naschen auch. Peter und Irene Ludwig machten daraus eine Kunst für die Kunst. Der -süße« Familienkonzern lieferte den finanziellen Nachschub für die Ankäufe, die die Museenlandschaft nachhaltig zum Blühen brachten. Ludwig Schokolade mit Marken wie Trumpf und Novesia gehört seit 1998 nach Verkauf durch Irene Ludwig allerdings dem Krüger Konzern. Die Ehe war kinderlos geblieben. Am 22. Juli 1996 starb Peter Ludwig ganz plötzlich an einem nicht rechtzeitig erkannten Blinddarmdurchbruch.

Dem Kunsthistoriker Reinhold Schommers zufolge war Peter Ludwig 1964 erstmals mit einer Schenkung für die Alte Kirche in St. Aldegund (s. S. 167) als Stifter in Erscheinung getreten. Als Gegenleistung hatte er sich an diesem wunderbar idyllischen Platz über dem Moseltal eine Grabstelle ausbedungen. Hier ruht er nun nahe zweier seiner »Herzblättchen«.

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Koblenz – Stadt an Rhein und Mosel 2

Altstadtpfade

Immer wieder schiebt sich die Balduinbrücke ins Bild, die Kurfürst Balduin um 1340 auf römischen Fundamenten erbaute. Etwa 200 Jahre jünger datiert sich das Wirtshaus Deutscher Kaiser, das älteste der Stadt, ein imposanter spätgotischer Wohnturm nahe dem Moselufer. Im Dreikönigen- haus von 1701 logiert jetzt die Stadtbibliothek, nahebei erlebte das ehern. Krämerzunfthaus von 1708 eine stilvoll farbig gefasste Restaurierung. Häuserverschiedenster Epochen in der Elt- zerhof-, Görres- und Kornpfortstraße erinnern an den Reichtum der von einer tüchtigen Kaufmannschaft gelenkten Stadt. Zeitweise war Koblenz der bedeutendste Umschlagplatz für das Göttergetränk Wein.

Schon ab der Eltzerhofstraße taucht man ein in die pittoresken Altstadtviertel, die in ihrer verwirrenden Verwinkelt- heit bezaubern. Im Grunde ist es nun völlig egal, auf welche Gasse die Wahl fällt. Sehr stimmungsvoll ist z. B. die Gasse Unterm Stern mit dem ehern. Hafenamt (1768). Jedenfalls sollte man vom Florinsmarkt aus über die Liebfrauenkirche die quirligen urbanen Treffpunkte Münzplatz, Am Plan, Jesuitenplatz und Görresplatz ansteuern. Ab den ersten schönen Frühlingstagen bestätigt sich angesichts der Lebhaftigkeit der spontane Eindruck: Ganz Koblenz sitzt im Freien!

Am Florinsmarkt

koblenz-florinsmarkt

Der frühere Frucht- und Kornmarkt strahlt eine gewisse Beschaulichkeit aus. Das Alte Kauf- und Danzhaus ist Domizil für die Kammerspiele und das Mittelrhein-Museum. Irritierend und belustigend zugleich die metallene Fratze des »Augenrollers« über der Eingangspforte, die durch das Uhrwerk mit dem Zifferblatt gekoppelt ist, in Sekundenschnelle die Augen bewegt – und halbstündlich die Zunge rausstreckt. Hintergrund ist die Moritat vom Ritter Johann Lutter von Kobern, der 1536 auf den bloßen Verdacht der Räuberei hin gefoltert und enthauptet wurde und noch gedroht haben soll, nur sein Kopf garantiere Sicherheit für Stadt und Bürger (Di-Sa 10.30-17, So 11 -18 Uhr).

Die doppeltürmige Florinskirche, einst Kapelle des fränkischen Königshofs aus dem 11 ,/12. Jh., seit 1818 ein evangelisches Gotteshaus (offen), zeigt im Innern in Schlichtheit neben kostbaren Wandmalereien zart angepasste Gewölbeornamentik.

Die Koblenzer nennen ihre kath. Liebfrauenkirche liebevoll »Ower- pfarrkerch«. Sie besetzt den höchsten Punkt der Altstadt, stützt sich auf die Grundmauern eines römischen Saalbaus des 5./6. Jh. und gilt als die eigentliche Urkirche der Siedlung. Der spätromanische Bau mit der eindrucksvollen Doppelturmfassade und den Emporen in voller Höhe über beiden Seitenschiffen erfuhr immer wieder Veränderungen, zuletzt historisierend im 19. Jh. 1944 stark zerstört, wurde das Gotteshaus Anfang der 1950er rekonstruiert, 2000 im Innern farblich sehr schön gefasst, wirkt hell und leuchtend lebensfroh, was kostbare Chorfenster (1992) verstärken (offen). Samstags erklingt »Musik zur Marktzeit« von 12.30-13.30 Uhr. Das faszinierende Umfeld der Kirche kann um 22 Uhr die mahnende »Lumpenglocke« durchaus vertragen, denn hier ist das Entree in die Kneipenkultur der Stadt.

Vom Münzplatz zum Görres-Platz

Die schönsten der opulenten Koblenzer Originale, über die man beim Durchstreifen der Gassen stolpert, stehen auf dem Münzplatz, die »Maatfrau« Ringelstein nämlich und der Schutzmann Otto. Beider Skulptur nimmt Bezug auf den früheren Markt und die ehern. Polizeiwache, die alte Münze. In deren Keller betreibt ein vifer Koblenzer seit Jahren einen originellen Flohmarkt, ist damit bald wohl ebenso eine Institution wie die Figuren oben. Auf der Westseite macht das 1674 erbaute ehern. Haus Metternich auf sich aufmerksam, Geburtshaus von Fürst Clemens Wenzeslaus, dem umstrittenen »Architekten Europas». 1815 brillierte der Staatskanzler beim Wiener Kongress, später initiierte er die Karlsbader Beschlüsse gegen die »Dema-gogen«. Heute teilt sich eine Jugendbegegnungsstätte das Gebäude in Kombination mit Ausstellungshaus und Wohnung Manfred Gniffkes, einem weiteren Kowelenzer Original. Ein kleiner Abstecher lässt einen Blick auf die Alte Burg werfen, das Burghaus der Bischöfe vom 13.-18. Jh., ehe sie sich das feudale Schloss am Rheinufer maßschneidern ließen.

Die Marktstraße, eine locker-lebhafte Einkaufsmeile, inspiriert zu Abweichungen von der Kultur. An der Kreuzung zum Altengraben faszinieren die Vier Türme mit ihren Prachtfassaden und der Laternenbekrönung über den Erkern dann doch. 1689-92 baute Hofbaumeister Joh. Christoph Sebastiani die markanten, einander zugeneigten Eckhäuser, die beispielhaft ein weiteres Stück »altes Koblenz« zeigen. Und so zweigt man ab und steht Am Plan, dank der vielen Straßencafes wohl noch immer die (informelle) Nachrichtenbörse.

Feine Läden säumen die Firmungstraße. Die Jesuitenkirche schiebt sich ins Bild, im weitläufigen Komplex des ehemaligen Jesuitenkollegs (1588- 1701) regiert die Stadtverwaltung, im Görres-Gymnasium wird gebüffelt. Mitten auf dem Jesuitenplatz behauptet sich der Anatom und Physiologe Johannes Müller (1801-88) auf dem Podest, während jenseits des Rathaustors der Schängel lauert. Im Juni 2003 verließen die Jesuiten Koblenz nach über 400 Jahren wegen sinkender Mitgliederzahlen des Ordens.
Am Görres-Platz und Rheinufer

Im Cafe räkeln sich zufriedene Gäste, beachten kaum die »»Historiensäule«, die Jürgen Weber als Reminiszenz an die Stadtgeschichte für diesen Platz schuf, vom römischen Weinschiff aufsteigend bis zur Jetztzeit. Die Kurfürsten sind passe, gegenwärtig nur noch in ihren Bauwerken, wie Clemens Wen zeslaus (1768-94), Auftraggeber des für den Mittelrhein einzigartigen klassizistischen Stadttheaters und des Kurfürstlichen Schlosses. Und unter all den Koblenzer Intellektuellen genießen nicht die Dichter höchstes Ansehen, auch nicht der Verleger Karl Baedeker oder der geniale Architekt Johann Claudius von Lassaulx, der immerhin den Vorzug genoss, mit >ihm< verwandt zu sein: Joseph Görres (1776-1848), Verleger des »Rheinischen Merkur«, Meister der politischen Satire und Mitschöpfer der deutschen Romantik taucht im Bild seiner Heimatstadt allenthalben auf – so im Görreshaus oder mit dem Görres-Denkmal, 1928 am Rheinufer errichtet. Hier steht der Jüngling nun riesig groß, stolz und sehr pathetisch mit Adler, spreizt die fünf Finger einer Hand zum Rhein hin. Fünf Pils heiße das, sagen die Koblenzer respektlos – und suchen einen der schönen Biergärten auf, am Ufer promenierend, und wenn es eben sein muss, bis zum Deutschen Eck.

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Koblenz – Stadt an Rhein und Mosel

STADT AN RHEIN UND MOSEL

Eine Stadt voller Leben mit einer sorgfältig aus Kriegs¬trümmern restaurierten Altstadt, eine Stadt auch, die sich zu Ehrenbreitstein und ihrem Festungscharakter bekennt, ohne militaristisch zu wirken. Am Deutschen Eck schaut der Kaiser der ersten Einheit auf dem Denkmal stolz in die Lande, auf den Plätzen der Innen¬stadt versprühen originelle Brunnen Charme und ur- banes Lebensgefühl.

Reiseatlas: S. 239, F 1 Confluentes, die Stadt am Zusammenfluss von Rhein und Mosel, hat sich eigentlich immer viel stärker zum Mittelrhein hin orientiert, den die UNESCO im Jahr 2002 in den Rang eines Weltkulturerbes erhob. Die Mosel wurde eher als Hinterland empfunden, obwohl hier die römischen Wurzeln der über 2000 Jahre alten, heute kreisfreien Stadt zu suchen sind.

koblenz

Geschichte

Als Kaiser Heinrich II. 1018 die Trierer Erzbischöfe mit dem Königshof Koblenz beschenkte, setzte er eine Entwicklung in Gang, die den strategisch wichtigen Ort 1690 schließlich zur Kurfürstlichen Residenz aufsteigen ließ. Von Anfang an wurden hier weitreichende politische Entscheidungen getroffen: So wurde 842 die Reichsteilung verhandelt, 1137 Konrad III. in St. Kastor zum König gekrönt. Trotz heftiger Proteste konnte die Bürgerschaft zwar nie den Status einer Freien Reichsstadt gewinnen, ab 1815 aber war man immerhin Regierungssitz der preußischen Rheinprovinz. 1947 konstituierte sich der Landtag von Rheinland-Pfalz im Rathaussaal, 1948 beschloss die sog. Rittersturz-Konferenz im Berghotel Rittersturz die Bundesrepublik Deutschland, 1947-50 spielte Koblenz die Rolle der Landeshauptstadt, 1962 übersprang es die Latte zur Großstadt. Die Ernennung zur Universität, wenn auch im Tandem mit dem pfälzischen Landau, gab 1990 einen weiteren Innovationsschub.

Nach dem Abzug der französischen Truppen blieb Koblenz größter Standort der Bundeswehr in Deutschland, u.a. als Sitz des Heeresführungskom-mandos und der Bundeswehrfachschule. Garnisonsstadt war Koblenz seit seiner Gründung, denn schon die Römer sicherten ihren Machtbereich an der Mosel um 30 n. Chr. durch ein Erdkastell am heutigen Münzplatz, dem bis ins 4. Jh. massive Steinkastelle folgten.

Der Bau des Limes an der Rheingrenze 82 n. Chr. sollte die herandrängenden germanischen Völker in Schach halten. Die mittelalterlichen Herrschaften sicherten ab dem ersten Jahrtausend wichtige Überlandstraßen durch Burgen.

Festung Ehrenbreitstein

Im 12. Jh. bauten die Trierer Bischöfe Burg Ehrenbreitstein weiter aus, stellten im 13. Jh. die »Alte Burg» an die Mosel. Damals auch reservierte sich der Deutsche Orden den Zusammenfluss von Mosel und Rhein, die Stadtbefestigung wurde im 17. Jh. nochmals verstärkt. Ihre Qualität bewies die Festung Ehrenbreitstein zweimal auf spektakuläre Weise mit umgekehrten Vorzeichen, denn beide Male geschah ihre Übergabe erst nach Aushungern der Besatzung: 1633 kapitulierten die französischen Besatzer nach einjähriger Belagerung durch kaiserliche Reichstruppen, 1799 die kurtrierische Besatzung vor den französischen Revolutionstruppen, welche die Zitadelle 1801 in die Luft sprengten.

Kurtrier verlor Macht, Besitz und die Residenz Koblenz. Die Stadt wurde 1815 preußisch und neu befestigt. 1815-33 erstand die Festung nach Plänen des Generals Ernst Ludwig von Aster, der auch die südlichere Rotunde Fort Asterstein auf der Pfaffendorfer Höhe konzipierte. Nach 1918 wurden die Werke in der Altstadt, auf der Karthause und dem Maifeld abgetragen, nicht aber die Zitadelle. Vom Pegelhaus aus mit der Fähre nach Ehrenbreitstein übergesetzt, kann man sich mit der Sesselbahn zur Festung hieven lassen. Neueste Ausgrabungen belegen auf dem Gelände eine Flucht- und Schutzburg schon vor 3000 Jahren.

Das einst größte Bollwerk am Rhein wurde längst zur Jugendherberge und zum Landesmuseum Koblenz u. a. mit einer Schau handwerklicher Berufe und Audi-Autos von August Horch zivilisiert (März-Nov. tgl. 9.30-17 Uhr). Viel stärker als die Festung fällt übrigens schon vom Konrad-Adenauer- Ufer aus das leuchtend-barocke Di- kasterialgebäude ins Auge, die ehemalige erzbischöfliche Zentralbehörde, an dessen Planung Balthasar Neumann 1739 beteiligt war.

Unterhalb der Festung

Der Pulverdampf hat sich verzogen, kulturelle Spuren werden umso deutlicher: Die Dichterin Sophie La Roche lebte im Stadtteil Ehrenbreitstein, der gastfreundliche Salon des Hofrats war Treffpunkt der literarischen Elite, der Enkel Clemens Brentano wurde hier geboren. Im ehemaligen Schulhaus, dem heutigen Rhein-Museum, kam 1903 der Schriftsteller und Publizist Joseph Breitbach auf die Welt. Im Geburtshaus von Maria Magdalena Ke- verich, deren familiäre Wurzeln in Köwerich (Mosel) zu suchen sind, führt das Mutter-Beethoven-Haus vor allem in die Lebenswelt des berühmten Komponisten ein (Wambachstr. 204, 15. April—15. Okt. Di-Sa 12-17, So 12-16 Uhr). Die »»Ode an die Freude« aus seiner neunten Sinfonie wählten die geeinten Völker Europas zur Hymne.

Am Deutschen Eck

Einen »Faustschlag aus Stein« nannte Kurt Tucholsky 1930 nach dem Ende einer feucht-fröhlichen Moselreise den »Tortenaufsatz« und meinte damit das 1897 errichtete Kaiser-Wilhelm- Denkmal an der Mündung der Mosel in den Rhein. 1945 holten die Amerikaner den Hohenzollern vom Sockel, seit 1993 sitzt er wieder fest im Sattel, »dräut in die Lande« und ist ein gefragtes Fotomotiv.

Der Donnerhall braust zum Glück nicht mehr, der Rhein ist zur europäischen Schlagader geadelt. Kaiser, Pferd und Siegesgöttin haben den Fluss im Auge, die Stadt im Rücken – und damit auch das Ludwig Museum. ln dessen Innenhof reckt sich als origineller Kontrast zum pompösen Gestus des Denkmals der überdimensionale -Daumen« des französischen Bildhauers Cesar empor. Auf dem Gelände des altehrwürdigen Deutschherrenhauses wird speziell für moderne französische Kunst der 1960er- Künstlergeneration geworben, auf Initiative der eigenwilligen Kunstsammler Peter und Irene Ludwig, deren Stiftung den Grundstock für die Sammlungen bildet (Di-Sa 10.30-17, So 11-18 Uhr; Führungen Mi 16, So 15 Uhr). Das Gebäude gehörte der 1216 gegründeten, im 15. Jh. direkt dem Hochmeister unterstellten Deutschordenskommende, die der Landzunge an Rhein und Mosel den Namen »Deutsches Eck« gab.

Durch den Blumenhof gelangt man zur kath. Pfarrkirche St. Kastor. 1944/45 ging die Altstadt von Koblenz in Flammen auf, von der mächtigen, etwas düsteren spätromanischen ehern. Stiftskirche standen nur noch die Außenmauern. Erzbischof Hetti von Trier hatte den Vorgängerbau 836 geweiht, die Gebeine des hl. Castor von Karden hierher übertragen. Auf dem Vorplatz der Kirche erregt eine echte Kuriosität kopfschüttelnde Ratlosigkeit: ein Denkmalsockel ohne Denkmal! Nachdem Napoleons Russlandfeldzug in die Hose gegangen war, blieb der voll Vorfreude errichtete Siegesbrunnen -unbesetzt«. Als die Koalitionstruppen 1814 die Stadt einnahmen, nahm’s der russische Stadtkommandant mit trockenem Humor und fügte der Eloge auf den Kaiser sozusagen amtlich die Bemerkung hinzu: »Vu et approuve« (gesehen und genehmigt).

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HORCH EIN AUDI!

Audi und Trabi – dazwischen lagen Welten, zumindest politisch. Und doch wurzeln beide, der sonore Mittelklassetyp und das Kultauto mit der Duroplast-Karosserie, in Winningen an der Mosel. Hier wurde 1868 August Horch als Sohn eines Winzers und Schmieds geboren. Nach der Lehre beim Vater geht der 16-jährige Geselle auf die Walz, bildet sich ab 1888 am Technikum in Mittelweida (Sachsen) zum Ingenieur für Maschinen- und Motorenbau weiter und wird nach Erfahrungen im Schiffsmotorenbau 1896 Betriebsleiter von Carl Benz in Mannheim. In seiner Autobiographie schildert Horch eine Episode mit >Papa Benz<, der auf die Bitte um acht Tage Urlaub entgeistert fragt, wie er denn so lange aus dem Geschäft wegbleiben könne. Naja, Horch will heiraten, in Leipzig tauscht er mit Anna Schulz die Ringe.

1899 gründet er in Köln-Ehrenfeld die August Horch & Cie, wechselt 1904 nach Zwickau und wandelt die Firma in eine AG um. Nach einem Zerwürfnis mit den Teilhabern steigt er aus, gründet ein neues Unternehmen, verliert vor Gericht den Namensstreit und übersetzt >Horch< kurzerhand ins Lateinische: Audi. Das ist 1909 in Zwickau die Geburt der Renommiermarke. Horchs Verdienste? 1901 baut er als Neuerung ein Kurbelgehäuse aus Leichtmetall ein, 1903 den ersten deutschen Vierzylindermotor, 1921 initiiert er die Linkssteuerung.

Wie aber kommen die vier Ringe ins Spiel? Alleine können die >Audimobilisten< die Weltwirtschaftskrise nicht bewältigen. Die sächsischen Werke Audi, Horch, DKW und Wanderer fusionieren 1932 zur Auto Union AG unter dem nachmals berühmten Firmenlogo. Vom Leichtmotorrad bis zur Limousine ist alles unter einem Dach. Der Konzern steigt 1934 mit Chefdesigner Porsche in den Rennsport ein und liefert sich wilde Duelle mit Mercedes: Hans Stuck fährt drei Weltrekorde auf und davon, der jugendliche Rennfahrerheld Bernd Rosemeyer avanciert zum Publikumsliebling.

Ab 1940 ist Auto Union vollends Rüstungsschmiede, nach 1945 werden in der sowjetischen Besatzungszone die Besitzer enteignet, die Werke demontiert. Als VEB Sachsenring produzieren Audi und Horch nach kurzer Pause wieder – und 1958 ist das neue Volksauto da, der legendäre Trabi, dessen Karosserie aus Baumwolle und Phenolharz das ostdeutsche Straßenbild bestimmte. Der westdeutsche Audi fasst nach 1945 in Ingolstadt dank öffentlicher Finanzspritzen viel schneller Fuß, tut sich mit NSU zusammen und ist heute zu 100% eine VW-Tochter.

Das hat aber längst nichts mehr mit dem Firmengründer zu tun, der 1945 aus dem Aufsichtsrat ausscheidet. 1951 stirbt August Horch in Münchberg (Ofr.) Das Ehrengrab für den Ehrenbürger auf dem Winninger Friedhof kennt jeder Einheimische, das Heimatmuseum dokumentiert Leben und Werk (Mai-Mitte Nov. Mi, Sa 15-16.30 Uhr). Das Geburtshaus, nach wie vor in Familienbesitz, beherbergt Gäste (Tel. 22 84). Einige Horchs und Audis sind im Koblenzer Technikmuseum auf dem Ehrenbreitstein zu bestaunen – und natürlich im Zwickauer Automobilmuseum.

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»SCHON SO LANG« – LIEDERMACHER AUF DER WALDECK

Pfingstfestival 2004 auf >der Waldeck« überm Baybachtal. Die alten Barden geben sich zum 40-jährigen Jubiläum ein Stelldichein, mischen sich unter die Mitstreiter von damals. Gelassen die Stimmung, friedlich, ein wenig wie ein Klassentreffen: Weißt du noch…?

Trotz alledem kaum Nostalgie, trotz der alten Hits im Zelt und auf der Bühne. Einträchtig sitzt man auf den berühmten Wiesen unterhalb des Säulenhauses zusammen, ein paar Jüngere gesellen sich hinzu. »Väterchen Franz» (Franz Josef Degenhardt) ist nicht da, Reinhard Mey vielleicht gerade »über den Wolken«, Dieter Süverkrüp (»Baggerführer Willibald«) singt nicht mehr. Aber Hannes Wader, Hein und Oss Kröher, Christof Stählin, Bernd Witthüser (von Witthüser & Westrup), Walter Mossmann, Black (von Schobert & Black), Bömmes, Hai und Topsy Frankl, John Pearse, Colin Wilkie und Shirley Heart sind gekommen, auch Waders einstiger Gitarrist Werner Lämmerhirt. Sie alle bringen einiges rüber von der Aura der Jahre 1964-69, als mitten in den Wäldern des Hunsrück die Lieder der Liedermacher laufen lernten. Katja Ebsteins und kurioserweise auch Ivan Rebroffs Karriere nahm hier oben ihren Anfang. Bob Dylan trat entgegen anderslautenden Gerüchten nie auf der Waldeck auf, spielte aber eine Rolle als begnadeter Spiritus Rector weltweiten Protests gegen Vietnam, Unrecht und Spießertum. 1995 sang BAPs Wolfgang Niedecken Dylan-Songs auf der Waldeck, Richie Hävens intonierte die Woodstock-Hymne »Freedom«.

Die Idee eines Festivals »Chanson Folklore International« konkretisiert sich Anfang der 1960er. Chansons prägen das Treffen 1964, lyrisch-frech, noch aber kein lauthalser Protest. Degenhardt erregt Aufsehen mit subtilen Bänkel-Liedern wie »Spiel nicht mit den Schmuddelkindern«, ist aber meilenweit entfernt von »Da habt ihr es, das Argument der Straße«. Freiheit von Zwängen formuliert sich als Antwort auf kleinbürgerliche Enge, politisiert sich 1968 und radikalisiert sich 1969. Hanns Dieter Hüsch kapituliert 1968 vor einem Pfeifkonzert, andere verweigern Auftritte, konfrontiert mit der Parole »Stellt die Gitarren in die Ecke!« und den endlosen Diskussionen über Faschismus, Imperialismus und Klassenbewusstsein. Trotzdem verbuchen Insterburg & Co. mit Nonsens einen Riesenerfolg. Zu Tangerine Dreams psychodelischem Sound tanzen verzückte Hippies ums Lagerfeuer.

Das verträgt sich absolut nicht mit den Riten hündischer Jugend. Das Tischtuch zwischen dem Festival-Initiator ABW (Arbeitsgemeinschaft Burg Waldeck) und dem Nerother Wandervogel, beides Rechtsnachfolger des Bunds zur Errichtung der Rheinischen Jugendburg e.V., ist längst zerschnitten. Der 1919/20 aus der Jugendbewegung hervorgegangene Nerother Wandervogel, von den Brüdern Robert und Karl Oelbermann im Eifeldorf Neroth gegründet, hatte die Burgruine Waldeck gekauft. Den Wiederaufbau »einer Hochburg und Heimat des jugendlichen Geistes« treibt man mit Spenden, dem Erlös von Kulturfilmen und Straßenmusik aus abenteuerlichen Weltfahrten voran. 1930 genießt Friedensnobelpreisträger Rabindranath Tagore die herrliche Abgeschiedenheit. 1933 wird der Nerother Wandervogel, 1935 der daraufhin gegründete ABW von den Nazis zwangsaufgelöst, Robert Oelbermann 1941 im KZ ermordet. Sein Zwillingsbruder Karl überlebt in Südafrika und erweckt nach 1950 den Wandervogel auf der Burg zu neuem Leben. Wieder singt man die alten Lieder, klampft, geht auf jungen- schaftliche Weltfahrt.

Und dann brechen mit einem Mal diese aufmüpfigen, (Joint) rauchenden, Rotwein trinkenden, nonchalanten, Männlein-Weiblein auf der Wiese liegenden >Bür- gerschrecks« in die Idylle ein, wirbeln eine scheinbar heile Welt durcheinander, nicht nur die der Nerother. Sabotageakte häufen sich nun bei den Festivals: durchschnittene Kabel, zerstochene Autoreifen und schließlich die Sprengung der Bühne. Die Urheber werden nie ermittelt. Ein jahrelanger Prozess um den Geländebesitz endet zugunsten der ABW, den Nerothern bleibt die Burg, die mittlerweile abgeschottet fast im Wald verschwindet.

Das Waldeck-Festival gilt als »Mutter aller Openairs«. An ihrer »Quelle« zu weilen aber lässt noch immer Kraft schöpfen: Theatergruppen proben in Häusern und Hütten, es wird getrommelt und gepfiffen, kleinere Festivals steigen. Ein eigenartiger Zauber umfängt »schon so lang« diesen Ort, der so still sein kann, dass man die Windspiele am Säulenhaus wispern hört.

Infos und Buchung: Burgvogt Happy Freund, Tel. 06762/79 97, www.burg- waldeck.de.

Lesetipp: Hotte Schneider, Die Waldeck – Lieder, Fahrten, Abenteuer (Dorweiler 2005).

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VON HATZENPORT BIS WINNINGEN 3

Zwei Heilige unter einem Dach

Als einer der früh missionierten Winkel des Moseltals hatte Kobern der Überlieferung nach zwei Heilige unter seinem Dach: den ganzen hl. Lubentius und den Kopf des Apostels Matthias. Die kath. Pfarrkirche St. Lubentius ist dem Schüler des hl. Maximin geweiht, der im 4. Jh. durch die Lande zog. Johann Claudius von Las- saulx, der renommierteste Baumeister der Region im 19. Jh., schuf 1826-29 mit dem Saalbau bis in die gestalteri-schen Details hinein und unter geschickter Einbindung von Kunstgegenständen der Vorgängerkirche ein Meisterwerk. Die Gebeine des Heiligen waren damals längst schon ins Stift Dietkirchen an der Lahn übertragen, in Kobern nur ein Arm des Lubentius als Reliquie verblieben. Der Glockenturm aber verkündet auf einem Felsgrat unbeirrt seit dem 12. Jh. aus Klangarkaden über einem ungegliederten Baukörper Gottes Lob.

Lassaulx war auch an einer Restaurierung eines der schönsten Baudenkmäler des Mosellands beteiligt. Heinrich II. von Isenburg-Kobern erbaute um 1230 für das Haupt des Apostels Matthias, das er aus dem Heiligen Land entführt hatte, über Kobern die Matthiaskapelle, einen sechsseitigen Zentralbau mit einer von Lisenen geschmückten Apsis. Sie verleugnet auch im Innern nicht den Typus einer Reliquienkapelle. Ob nun in den Säu-lengruppen oder im Rippengewölbe, alles verengt sich auf die zentrale Funktion hin. Orientalische Einflüsse sind unverkennbar, Anklänge an die Jeru-salemer Grabeskirche oder portugiesische Vorbilder wahrscheinlich. Seit dem 14. Jh. verwahrt Triers Abtei St. Matthias den Apostelkopf, der Kapelle blieb ein Sandsteinrelief der Enthauptung des Matthias.

St. Lubentius Kirche

St. Lubentius Kirche

In jüngster Vergangenheit drohte das landeseigene Bauwerk wegen Durchfeuchtung zu verfallen und wurde in einer dramatischen Rettungsaktion sa-niert. Die Kapelle übernimmt seither die Funktion eines Konzertraums, schmiedet Ehen und bildet mit der spät-stau- fischen Oberburg ein attraktives Ensemble für Gäste aller Art (Ostern-Allerheiligen So 11-17 Uhr, Führungen vermittelt das Restaurant). In den Bergfried integriert ist das winzige Oberburg Restaurant, das in seiner exquisiten Intimität überzeugt (s. u.).

Zu Fuß bergab, die restaurierten Kreuzwegstationen und das wunderschöne Panorama vor Augen, kommt die malerisch ruinöse Niederburg immer näher, die um 1200 ebenfalls von den Isenburg-Koberner Herrschaften mit einem seltenen trapezförmigen Bergfried auf den Fels gesetzt wurde. Im Ort lohnt sich ein Gang zum fachwerkreichen Marktplatz mit dem Tatzelwurmbrunnen (1961), zum einstigen Burghaus, einem Bruchstein- Wohnturm des 15. Jh., und natürlich zur Tourist-Info im Abteihof St. Marien, der mit Datierung 1320/21 wahrscheinlich Deutschlands ältestes Fach-werkhaus ist.

Goloring

Reiseatlas: S. 239, E 1 Der Goloring nördlich von Kobern ist nur etwas für eingefleischte Keltenfans. Die Kultanlage der Urnenfelder- und Hunsrück-Eifel-Kultur (9.-4. Jh. v. Chr.) ordnen Archäologen wie Axel von Berg den Henge-Heiligtümern (wie Stonehenge) zu. Grabungen seit 2004 könnten den Traum touristischer Erschließung wahr werden lassen. Über Ko- bern-Gondorf soll auch ein römisches Kastell gestanden haben, das der Feldherr Germanicus mit dem Söhnchen Gaius, genannt Caligula, bewohnte, wenn er das »Soldatenstiefelchen« nicht gerade auf Feldzüge mitnahm. »Weiterhin führt mich der Strom dem von Kähnen überquelienden Contrua zu, wo sich aus alter Zeit berühmt die Feste erhebt«, besang Venantius Fortu- natus im 6. Jh. die Region, freute sich seines Lebens und setzte die Moselreise nach Winningen und Koblenz fort.

Winningen

Reiseatlas: S. 239, F 1 Reinhard Löwenstein gehört zu den Winzern, die den Moselwein nachhaltig rehabilitierten. Schon früh warb er dafür, die Untermosel in »Terrassenmosel“ umzubenennen, um die Charakteristika der Landschaft auf der Basis kleinstruktureller Terroirs zu betonen. Der Uhlen, die renommierteste Lage der Untermosel, ist ein einzigartiges Terrassenkunstwerk.

Winningen hat mancherlei Vorzüge, die eine erfolgreiche Weinpolitik begünstigen: Es liegt in direkter Nachbarschaft zu Koblenz, damit nahe genug an den städtischen Zentren am Rhein, hat sich aber >ländiiche< Idylle bewahrt, um echt moselanisch zu wirken. Uralt der Ort, seine Geschichte reicht mindestens in die Römerzeit zurück, renommierte Adelsgeschlechter tauchten hier aus dem Dunkel auf, balgten sich erbteilend um Besitz und Macht. Die Kirche romanischen Ursprungs spiegelt mehrere Epochen wider, ist aufgrund Sponheimer Herrschaft evangelisch in einem katholischen Umfeld. Hübsche Bürgerhäuser prägen das Ortsbild, opulente Villen und Gutshöfe geben ihre Visitenkarte ab, ein umgestalteter Marktplatz verlockt zum Verweilen.

Trotz guter Verkehrsanbindung hält man Abstand zur Autobahn und der berühmten, das Moseltal überspannenden Brücke. Trotzdem schwebt Benzingeruch über dem Ort: In Winningen ist der Autopionier August Horch geboren (s. S. 201).

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VON HATZENPORT BIS WINNINGEN 2

Alken und Burg Thurant

Reiseatlas: S. 239, E 2 Vom Eifelufer aus ist der Blick auf Alken und die Burg Thurant besonders eindrucksvoll, die das Ortsbild prägende Wehranlage mit den seltsam anmutenden zwei Bergfrieden von einer geradezu augenfälligen Schönheit. Man glaubt fast die Aura des Orients zu spüren. Der Seitenwechsel ans Huns- rückufer lässt zunächst den Zoll- und Signalturm an der Moselstraße näher rücken, heute ein Gourmettempel. Alte Wehrtürme wie das Fallertor (1256), lauschige Winkel wie Blumengasse, Laacher Hof (ab 1093) und Wiltburg Burghaus (1585-1696) fordern zu einer Entdeckungsreise auf. Steile Treppen geleiten im Baumschatten entlang Kreuzwegstationen zum Ehrenfriedhof mit der ehern, kath. Pfarrkirche St. Michael (12. Jh.), die von der Alkener St. Michaelsbruderschaft gepflegt wird (Ostern-Ende Okt., So 14-17 Uhr). Das durch ein Gitter einsehbare Beinhaus unter der Kapelle beschwört die Vergänglichkeit allen Lebens.

Oben auf dem Bergsporn begann die Ortsgeschichte, vermutlich in antiker Zeit, spätestens mit Errichtung der Burg Thurant. Ein idealer Ausguck nach allen Seiten, auf Alken natürlich und weit hinüber aufs Maifeld der Eifel. Spätestens 1197 setzte der Kreuzzug-Heimkehrer Heinrich, Pfalzgraf bei Rhein, auf antike Fundamente eine Burg, die er Thurandt nannte, vielleicht aus Respekt vor der vergeblich belagerten Festung Thuron im Hl. Land. Kaum hundert Jahre später eroberten die Erzbischöfe von Köln und Trier das angebliche Raubritternest, teilten das Areal unter sich auf, vermieden Zwistigkeiten durch eine Trennmauer, bauten zwei Wohn- und Wehrbereiche und zwei Bergfriede. Die Burg wurde 1911 und 1973 restauriert, ist bewohnt, in Teilen als Ferienwohnung zu mieten und zu besichtigen.

Burg Thurant

Burg Thurant

Von Alken und Oberfell aus führen Kreuzwege zur Dreifaltigkeitskapelle auf dem Bleidenberg, wo Fluss und Burg Thurant optimal ins Visier kommen. Die strategisch günstige Lage des Plateaus ließ auch die Archäologen nicht ruhen und sie 2001 prompt Reste eines keltischen oppidum ausgraben. Eine spätere frühromanische Marienkapelle ersetzte der Trierer Erzbischof Arnold II. nach dem Sieg in derThuranter Fehde 1248 durch einen Neubau. Der Legende nach soll an dieser Stelle der Ritter Moosemann, von Vogt Zorno wegen angeblichen Verrats mit einer Blide aus der belagerten Burg geschleudert, nach Anrufung der Gottesmutter unverletzt in den Büschen auf dem Bleidenberg gelandet sein.

Kobern-Gondorf

Gondorfs attraktiver Mix

Reiseatlas: S. 239, E 1 Malerisch ist die Komposition aus Landschaft, Ortssilhouette und der Niederburg, Oberburg und Matthiaskapelle Koberns, die auf den zur Eifel hoch strebenden Hangterrassen bewundernde Blicke auf sich ziehen. Trotz der spürbaren Nähe zu Koblenz, dem geschäftigen Rheintal und den Fernstraßenexzessen auf der Hunsrückseite gibt sich der Doppelort betont gelassen, pflegt feine Weine der Lage Uhlen und schöpft touristisch aus dem Füllhorn der Geschichte.

Eine attraktive Mischung aus Sehenswürdigkeiten und relaxtem Urlaubsgefühl bietet Gondorf, wartet u.a. mit dem neugotischen Schloss Liebieg auf, leidet am Moselufer aber ziemlich unter Durchgangsverkehr. Ein Stück zurück Richtung Lehmen steht auf Felsen fest am Ufer die Oberburg (Schloss von der Leyen), im Volksmund als «Wasserschloss« bezeichnet (1560), nun Außenstelle des Koblenzer Landeshauptarchivs. Seit 1876 wird das kolossale Gemäuer von der Bahnlinie durchschnitten, seit 1971 von der Bundesstraße untertunnelt. Das ist so kurios, dass es fast schon wieder Stil hat!

Fast 8000 Solarmodule decken seit 1988 ein Trockenbiotop über Gondorf für ein RWE-Forschungsobjekt zu, eine Photovoltaik-Anlage mit enorm viel Platzbedarf und einem geringen Output von gerade mal 106 kW. Umweltschützer werfen dem Energiemulti vor, damit die angebliche Unrentabilität von Solarenergie belegen zu wollen (Führung für RWE-Besucher: Tel. 0201/122 39 24).

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VON HATZENPORT BIS WINNINGEN

Die »Terrassenmosel« ist nun eine steil aufragende und aufregende Tatsache. Burgen prägen die Land¬schaft: Hatzenports Bischofstein, Alkens Thurant, Kobern-Gondorfs Oberburg und Niederburg, darüber ist die einmalig schöne Matthiaskapelle nicht zu vergessen. Winningen hingegen wirbt mit Hex und Horch.

Hatzenport

Reiseatlas: S. 239, E 2 Ein solches Schullandheim wünscht man sich als Pennäler! Burg Bischofstein gehört einem Krefelder Gymnasium und ist für Normalbesucher mit Ausnahme des Burghofs bei Open Airs dicht. Die kurz vor Hatzenport auftauchende Burg ist aber ein toller Blickfang, vor allem wegen des rätselhaften >Halskragens< am Bergfried, den sie im 12. Jh. erhielt. Vermutlich sicherte sie für Kurtrier den Aufgang nach Müns-termaifeld, was Louis XIV1689 nicht an ihrer Zerstörung hinderte.

hatzenport

Etwa auf halber Burgberghöhe lädt die Kapelle Unterbischofstein (offen) zur Besinnung auf die christlichen Tugenden fides, spes und caritas (Glaube, Hoffnung, Fürsorge) ein. Das fast vollplastische Relief (um 1380) schmückt die Kirchenwand gleich den Reliefs der »Sieben Fußfälle«, die es vordem an Kreuzweghäuschen zu absolvieren galt (s. S. 35). Der Blick ins Moseltal ist einfach fantastisch (Parken an der B 416, Zugang nur zu Fuß)!.

Das malerische Hatzenport besitzt zwei Wahrzeichen: Die kath. Kirche St. Johannes Apostel und Evangelist (Ostern-1. Nov. So 9-18 Uhr) steht weithin sichtbar in den Weinbergen und reckt ihren moseltypisch ungegliederten romanischen Westturm mit Schallarkaden, achteckigem Helm und re-staurierter Turmuhr über dem Friedhof empor. Der spätgotische Innenraum fasst die Kreuzigung Christi in ein kostbares Glasfenster (15. Jh.). Von der um 1600 angefertigten Kanzel ist Gottes Wort nur mehr selten hören, die St. Rochus-Kirche im Dorf hat diese Aufgabe übernommen. Vergangen auch die Zeiten, als der Fährturm von 1863, das zweite Wahrzeichen, für die Fluss- querung der Postlinien vom Hunsrück in die Eifel zuständig war.

Burgen

Reiseatlas: S. 239, E 2 Im August 2000 flog Pastor Röhrig mit dem Gleitschirm vom Küppchen bei Lasserg (Eifel) über die Mosel nach Burgen (Hunsrück) und sang laut Augenzeugenberichten beim Hochamt im Festzelt inbrünstig »Vom Himmel hoch da komm ich her«. Bei seinem dritten spektakulären Luftritt kreiste der Geistliche erstmals solo über »seiner« kath. Pfarrkirche St. Sebastian (offen). Die Kombination von Burgener Heimat- und Schützenfest und Mosel-Cup hat inzwischen Tradition. Die Drachen- und Gleitschirmfliegerfreunde Rhein-Mosel-Lahn, die vom Eifel-Plateau in die manchmal turbulente, aber fantastische Thermik einsteigen, sorgen außerdem für fluss- übergreifende Kontakte trotz räumlicher Distanz und stillgelegter Fähre.

Wandern ist Trumpf! Während von Burgen aus das idyllische Baybachtal erschlossen wird bis hin zur legendären Liedermacher-Burg Waldeck (s. S. 192), bildet das sportlich betonte Brodenbach das Eingangstor zum nicht minder reizvollen Brodenbachtal und zum attraktivsten Wanderziel, dem traumhaft wilden Ehrbachtal.

Im herrlich wilden Ehrbachtal hausen die wilden Rittersleut’ auf der Ehrenburg, zumindest zu Zeiten der »Verzauberten Burg«. Der Freundeskreis weckte zusammen mit den derzeitigen Besitzern die unglaublich malerische Ruine 1992 aus dem Dornröschenschlaf und ein reges Interesse fürs Mittelalter. Ob nun fantasievolle Familienprogramme oder »Höfische Bankette«, die Burg bietet eine optimale Kulisse. Im 12. Jh. romanisch von den Rittern von Ehrenberg erbaut, wurde sie 1331 erweitert, 1495 auf den neuesten wehrtechnischen Stand gebracht, 1689 von den Franzosen aber teilgesprengt (Ostern-2. Nov. Mi-Sa 10-16, So 11-18 Uhr, Tel. 24 32, Fax 30 79, www.ehrenburg.de).

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VON COCHEM BIS ZUR BURG ELTZ 4

Müden

Reiseatlas: S. 239, D 2

Die kath. Pfarrkirche St. Stephanus, im Kern vor die erste Jahrtausendwende zu datieren, für ihre Glasfenster (13. Jh.) berühmt, ist dank ihres auffallenden Westturms mit dem Rhombendach ein beliebtes Malermotiv. Eine unauffällige Tafel lokalisiert an der Uferstraße ein zum Weingut gewordenes Halfenhaus, das die Gastro-Tradition vor der Kanalisierung des Flusses repräsentiert. Damals zogen die von den Moselschiffern angeheuerten Halfen (Treidler-Bauern) mit ihren Pferden die Schiffe flussaufwärts und waren auf solche Rastplätze angewiesen.

Gastlich aufgenommen wurde der Legende nach auch Petrus, der in den alten Zeiten, als Jesus mit seinen Jüngern noch auf Erden wandelte, in Müden einen Holzhumpen randvoll mit Wein erstand und vergeblich versuchte, ihn heil auf holprigem Weg zu befördern, immer wieder die überschwappende Köstlichkeit abtrank und den Becherrand zur Vertuschung mehrmals abschnitt. Seinen Gefährten tischte er die Lüge auf, die Humpen an der Mosel seien miserabel klein. Der HERR habe daraufhin geantwortet, Petrus möge das >Miseräbelchen< behalten. Auf diese Begebenheit soll die moselanische Bezeichnung für kleine Schoppen zurückgehen.

So anfechtbar diese Erzählung, so sicher ist Müden Herkunftsort des Koblenzer Publizisten, Professors und Politikers Joseph von Görres (s. S. 213), dessen Familie mit dem hiesigen Gör- res-Haus ein Denkmal gesetzt wurde.

Moselkern

moselkern

Reiseatlas: S. 239, D 2 Am Ufer gegenüber dräut der Druidenstein, ein dreieckiger Hunsrückberg, der einst eine vorgeschichtliche Befestigung trug. Dem folgt in der Hitliste der Sehenswürdigkeiten die Stele von Moselkern bzw. das Merowingerkreuz (um 700). Vor der kath. Pfarrkirche St. Valerius steht nur eine Kopie der Plastik aus Basaltlava, das Original ist im Rheinischen Landesmuseum in Bonn.

Attraktives Fachwerk, wie der polygonale Erker am historischen Rathaus (1535), dem ältesten der Mosel, mischt sich in dem adretten Winzerdorf mit Bruchstein-Architektur aus der Gründerzeit. Beispielhaft dafür das Haus Schunck, über dessen bizarrem Formenreichtum selbst der Park verblasst. Auf der Gartenterrasse des Hauses Scholz, des ehern. Halfen- hauses (1738), soll der Trierer Domorganist Georg Schmitt 1846 erstmals das »Mosellied« geschmettert haben, komponiert zu Theodor Recks Versen: »Oh Moselland, oh selig Land! Ihr grünen Berge, oh Fluss und Tal, ich grüß euch von Herzen vieltausendmal!«

Münstermaifeld

Reiseatlas: S. 239, E 2 Wie eine Spinne im Netz sitzt Münstermaifeld im Straßenkreuz, auf dem weiten, landwirtschaftlich geprägten Maifeld. Über 700 Jahre Stadtrechte, mehr als 1000 Jahre Markt, Versammlungsgelände der Franken, Königshof, Aufmarschgebiet von Truppen aller Couleur – ein ganzer Stapel von Erwartungen geleitet Besucher in die kleine Stadt. Eventuelle erste Enttäuschung weicht dem Staunen angesichts der kolossalen ehern. Stiftskirche St. Marti- nus und St. Severus (offen), die man so hier nie vermuten würde.

Die heutige Pfarrkirche entstand im 6. Jh. aus einer Urpfarrei und wurde bald zum Kollegiatsstift der Augustinerchorherren, dessen bedeutendster Propst im 15. Jh. der spätere Kardinal Nikolaus von Kues war (s. S. 129). Der Sage nach stammt das Material des Westwerks von einem Moselsteilhang, dessen Gestein beim Plämmern wie eine Glocke klang. Ein Lamm habe einem Steinmetzen die Stelle gewiesen, sei kurz vor einem Bergrutsch rettend wieder erschienen und – die Steine reichten aus. Ein Teil des Westwerks ist tatsächlich aus Bruchstein erbaut, aber kombiniert mit Tuff und Trierer Buntsandstein. Fast orientalisch mutet der wehrhafte hochromanische Mittelturm an, von einem frühgotischen Zinnenkranz gekrönt, schlanken Rundtürmen flankiert. Eine Fülle von Stilarten harmoniert wunderbar miteinander: der spätromanische polygonale Chor, die klaren Formen des früh- bis spätgotischen Langhauses, das hochgotische südliche Paradies, die barocke Stumm-Orgel. Das vertikale Prinzip wird betont, aber immer wieder wirkungsvoll durch Simse und Zwerggalerien zurückgeholt. Andacht und Stille mischen sich wie von selbst.

Kaum vorstellbar, dass das Stift im 17. Jh. in Flexenprozessen aktiv war, verzweifelte Menschen auf dem Scheiterhaufen endeten (Führung: Claudia Schneider, Tel. 02605/48 64).

Burg Eltz

Reiseatlas: S. 239, D 2 Zuletzt verewigt als Motiv der 500-DM- Note, eine wahre Bilderbuchburg, taucht sie unwirklich märchenhaft mit einem Mal aus den Wäldern auf. Üblicherweise schaut man zu einer Burg auf, sofern sie nicht in der Ebene umwässert liegt. Vom Parkplatz im Eltzer Wald zur Aussichtsterrasse spaziert, blickt man aber auf Burg Eltz hinab und wundert sich umso mehr, dass sie nie erobert wurde, was von hier aus kinderleicht hätte sein müssen. So unbedeutend, dass Kurfürst Balduin seine als Widerpart gegen die Eltzer Grafen 1331 gebaute Burg Trutzeltz auf dem nahen Hang letztlich nur entnervt aufgab, weil er sich mit der Belagerung lächerlich machte?

Ein Sonntagskind? 1689 verhinderte ein Eltz-Bürresheim, General in französischen Diensten, die Zerstörung in äußerst brenzliger Situation. Im Unter-schied zu Münstermaifeld, das ein französischer Marschall 1691 aus purer Dummheit niedergebrannt hatte, weil er es mit Münstereifel verwechselte, blieb die Burg kriegerisch immer verschont. 1920 deckte eine Feuersbrunst einige Dächer ab, derer es auf diesem vom Elzbach umflossenen Hügelkegel zahlreiche gibt. Bildschön ist die Burg, im Innern reich ausgestattet, bezaubernd dank der Fachwerkpartien, Erkerchen und der auf ihrer Vergangenheit als Ganerbenburg basierenden Türme, in denen die Eltz-Familien einträchtig lebten. Die Linie Eltz-Kempe- nich zählt zu den ältesten deutschen Adelsgeschlechtern (April-Okt. tgl. 9.30-17.30 Uhr, Fax 02672/950 50 50, Führungen alle 10-15 Min.).

Burg Pyrmont, im 13. Jh. weiter hinten im Tal über dem Wasserfall des Elzbachs errichtet, wurde nach der Zerstörung 1689 zu einem behäbig ba-rocken Schloss unter Beibehaltung des Bergfrieds aufgebaut, im 19. Jh. auf Abbruch verkauft und in den 1960ern sorgfältig restauriert zur Erleb-nisburg umgemodelt. (Besichtigung: Juni-Aug. 10-17, Mai, Sept., Okt. 11-16 Uhr; Gasterey: Tel. 0 26 72/80 21, Fax 91 01 19, April-Okt. Mi-So 10-18 Uhr, März So. Öffentliches Rittergelage: April-Dez., 1. Fr im Monat, 19 Uhr, Menü 35 €, Kinder nach Alter. www.burg-pyrmont.de).

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VON COCHEM BIS ZUR BURG ELTZ 3

Treis-Karden

Reiseatlas: S. 239, D 2 Vom Martberg aus ist Karden durch die Weinberge und auf dem Kreuzweg zu erwandern, dessen Stationen oberhalb der Stiftskirche St. Castor am Stiftsbezirk enden (offen). Die drei- schiffige Basilika, eine romanisch-früh- gotische Schöpfung in mehreren Bauphasen ab dem 12. Jh., besitzt eine bemerkenswerte Ausstattung. Den Westturm schmücken zwei Sterne als Anspielung auf Bethlehem und das bedeutendste Kunstwerk, ein Dreikönigs- Altarretabel (um 1420) aus mittelrheinischer Terrakotta. Aus der Fülle ragen die beiden Altäre der Trierer Hoffmann- Schule, die Grablegung Christi (alle 17. Jh.) und die restaurierte dreimanualige Orgel Joh. Michael Stumms von 1728 heraus. Der gotische Kreuzgang ist vom Stiftsmuseum aus zugänglich. Das als Zehnthaus genutzte Gebäude (1238) zeigt nach überaus gelungener Renovierung christlich-kirchliche und gallo-römische Schätze, auch vom Martberg (Mi-Fr 14-17, Sa/So 10-12, 14-17 Uhr). Mit weiteren Stiftshäusern blieb das Gesamtumfeld erstaunlich authentisch, so die Stiftsschule und der 800 Jahre alte Wohnturm des Propstes, der Korbisch. Letzteres eine Verballhornung des Titels ‘Chorbi-schof«, den in der Frühzeit die Landbischöfe bzw. Archidiakone trugen, deren Trier fünf besaß.

Keinen Titel nahm Castor, Schüler des Trierer Bischofs Maximin, mit ins Grab außer dem Ruf eines Missionars unter römischer Herrschaft, wofür er heilig gesprochen wurde. Er soll in Karden die erste Gemeinde an der Untermosel gegründet, in einer Höhle gelebt, Wunder vollbracht haben – so ließ er einen aufsässigen, später reumütigen Moselfischer erst fast ertrinken, habe ihn dann aber gerettet – und hier gestorben sein (der Buchsbaum-Wanderpfad zweigt am Kompusköpfchen zur Höhle ab). Grabungen in der Krypta förderten 1966 Mauern einer karolingischen Basilika zutage, in die Erzbischof Wiomad im 8. Jh. die wundersam aufgefundenen Gebeine des Heiligen übertragen ließ. Noch monumentaler wirkt der >Moseldom< vom Treiser Ufer des Doppelorts, das saloppe -Weißer Riese« ist aus diesem Blickwinkel mehr als legitim!

treis-karden

Wunder verbucht Treis im Naturschutzgebiet Treiser Schock, das vor Urzeiten Tummelfeld eines Menschen schockenden Riesen war, den nur ma-gische Kiesel eines Einsiedlers in Schach und seiner Höhle halten konnten. In jüngerer Zeit gelang es nicht so leicht, das Böse zu bannen. Wie in Bruttig wurde das Bahntunnel-Terrain 1944 zur KZ-Außenstelle, die Spuren sind in Treis verwischt (s. S. 174). Menschliches Leid zum Ende des Zweiten Welt kriegs ließ sich nicht wegretuschieren, auch alte Bausubstanz fiel den Luftangriffen zum Opfer, darunter das Langhaus der Katharinenkirche. Den Bomben entging die kath. Pfarrkirche St. Johann Baptist, ein neugotisches Frühwerk des Architekten Johann Claudius von Lassaulx (offen), der außerdem die frühere Schule (Bürgerhaus) auf dem Vorplatz erstellte.

In die Hunsrücktäler

Reiseatlas: S. 239, D 2 Kreuzwegstationen leiten auf den Zil- lesberg mit der dem hl. Cyriacus geweihten Zilleskapelle (offen), ihren leuchtend abstrakten Fenstern und dem herrlichen Blick ins Moseltal. Auf dem Rückweg könnte man sich als Variante entlang sieben Stationen zu einer We gekapelle hangeln. Außerdem lohnen sich Ausflüge in die Hunsrücktäler des Flaumbachs und des Dünnbachs, deren Zusammenfluss die deutlich sich abhebenden Burgruinen Treis und Wildburg (privat) markieren, die auf dem schmalen Berggrat in Schutzfunktion hintereinander geschaltet waren.

Ein Augenschmaus ist die Tour ins Lützbachtal nach Lütz, wo die barocke kath. Pfarrkirche St. Maximin (1752/53, offen) mit romanischem Kirchturm lockt. Am Ortseingang erinnert neben einer Abraumhalde ein zugemauerter Schieferstollen an Bergwerkszeiten, die in den fünfziger Jahren endeten. Wanderer brechen von hier in die wildromantische Lützer Schweiz auf.

Burgen über Burgen

Malerisch ist die Moselfront in einem vielfach verschlungenen Tal, wo sich der Fluss gegen das ihn erdrückende Gestein wirft. Die Hochfläche des Maifelds auf der Eifelseite trägt kaum Wälder, zeigt in den Wintermonaten endlos abgeerntete Äcker und Wiesen. Im späten Frühjahr aber erblüht das Tal in Kontrasten, die ihm von Natur aus innewohnen. Die Dörfer am Fluss präsentieren selbstbewusst ihre baulichen Kostbarkeiten und verweisen stolz auf uralte geschichtliche Wurzeln. Lange abhängig von Klöstern und Adelsgeschlechtern, versuchen sie heute mit ihren Pfunden zu wuchern. Das ist immer noch zuallererst die Rebe und ihr köstlicher Extrakt.

Im Umkreis von Burgen, den Nachbarorten Brodenbach und Alken sowie Müden, Moselkern und Hatzenport auf der Eifelseite häufen sich die Ritternester fulminant. Wer ist die Schönste im ganzen Land? Natürlich Burg Eltz! Da müssen die anderen zurückstecken. Ansehen sollte man sich aber alle, soweit zugänglich. Manche klotzen hoch über der Mosel, andere verstecken sich in den Seitentälern von Eifel und Hunsrück und lauern dort den Touristen auf.

Zwischen Treis-Karden und Löf am linken Ufer bzw. Brodenbach und Alken rechts der Mosel gibt es keine Brücke, die Wahl zwischen Eifel und Hunsrück ist also zwingend. Ihre raue Schönheit zeigt die Terrassenmosel auf beiden Ufern – ein zweites Hingucken ist deshalb keinesfalls verkehrt!

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