Koblenz – Stadt an Rhein und Mosel 2

Altstadtpfade

Immer wieder schiebt sich die Balduinbrücke ins Bild, die Kurfürst Balduin um 1340 auf römischen Fundamenten erbaute. Etwa 200 Jahre jünger datiert sich das Wirtshaus Deutscher Kaiser, das älteste der Stadt, ein imposanter spätgotischer Wohnturm nahe dem Moselufer. Im Dreikönigen- haus von 1701 logiert jetzt die Stadtbibliothek, nahebei erlebte das ehern. Krämerzunfthaus von 1708 eine stilvoll farbig gefasste Restaurierung. Häuserverschiedenster Epochen in der Elt- zerhof-, Görres- und Kornpfortstraße erinnern an den Reichtum der von einer tüchtigen Kaufmannschaft gelenkten Stadt. Zeitweise war Koblenz der bedeutendste Umschlagplatz für das Göttergetränk Wein.

Schon ab der Eltzerhofstraße taucht man ein in die pittoresken Altstadtviertel, die in ihrer verwirrenden Verwinkelt- heit bezaubern. Im Grunde ist es nun völlig egal, auf welche Gasse die Wahl fällt. Sehr stimmungsvoll ist z. B. die Gasse Unterm Stern mit dem ehern. Hafenamt (1768). Jedenfalls sollte man vom Florinsmarkt aus über die Liebfrauenkirche die quirligen urbanen Treffpunkte Münzplatz, Am Plan, Jesuitenplatz und Görresplatz ansteuern. Ab den ersten schönen Frühlingstagen bestätigt sich angesichts der Lebhaftigkeit der spontane Eindruck: Ganz Koblenz sitzt im Freien!

Am Florinsmarkt

koblenz-florinsmarkt

Der frühere Frucht- und Kornmarkt strahlt eine gewisse Beschaulichkeit aus. Das Alte Kauf- und Danzhaus ist Domizil für die Kammerspiele und das Mittelrhein-Museum. Irritierend und belustigend zugleich die metallene Fratze des »Augenrollers« über der Eingangspforte, die durch das Uhrwerk mit dem Zifferblatt gekoppelt ist, in Sekundenschnelle die Augen bewegt – und halbstündlich die Zunge rausstreckt. Hintergrund ist die Moritat vom Ritter Johann Lutter von Kobern, der 1536 auf den bloßen Verdacht der Räuberei hin gefoltert und enthauptet wurde und noch gedroht haben soll, nur sein Kopf garantiere Sicherheit für Stadt und Bürger (Di-Sa 10.30-17, So 11 -18 Uhr).

Die doppeltürmige Florinskirche, einst Kapelle des fränkischen Königshofs aus dem 11 ,/12. Jh., seit 1818 ein evangelisches Gotteshaus (offen), zeigt im Innern in Schlichtheit neben kostbaren Wandmalereien zart angepasste Gewölbeornamentik.

Die Koblenzer nennen ihre kath. Liebfrauenkirche liebevoll »Ower- pfarrkerch«. Sie besetzt den höchsten Punkt der Altstadt, stützt sich auf die Grundmauern eines römischen Saalbaus des 5./6. Jh. und gilt als die eigentliche Urkirche der Siedlung. Der spätromanische Bau mit der eindrucksvollen Doppelturmfassade und den Emporen in voller Höhe über beiden Seitenschiffen erfuhr immer wieder Veränderungen, zuletzt historisierend im 19. Jh. 1944 stark zerstört, wurde das Gotteshaus Anfang der 1950er rekonstruiert, 2000 im Innern farblich sehr schön gefasst, wirkt hell und leuchtend lebensfroh, was kostbare Chorfenster (1992) verstärken (offen). Samstags erklingt »Musik zur Marktzeit« von 12.30-13.30 Uhr. Das faszinierende Umfeld der Kirche kann um 22 Uhr die mahnende »Lumpenglocke« durchaus vertragen, denn hier ist das Entree in die Kneipenkultur der Stadt.

Vom Münzplatz zum Görres-Platz

Die schönsten der opulenten Koblenzer Originale, über die man beim Durchstreifen der Gassen stolpert, stehen auf dem Münzplatz, die »Maatfrau« Ringelstein nämlich und der Schutzmann Otto. Beider Skulptur nimmt Bezug auf den früheren Markt und die ehern. Polizeiwache, die alte Münze. In deren Keller betreibt ein vifer Koblenzer seit Jahren einen originellen Flohmarkt, ist damit bald wohl ebenso eine Institution wie die Figuren oben. Auf der Westseite macht das 1674 erbaute ehern. Haus Metternich auf sich aufmerksam, Geburtshaus von Fürst Clemens Wenzeslaus, dem umstrittenen »Architekten Europas». 1815 brillierte der Staatskanzler beim Wiener Kongress, später initiierte er die Karlsbader Beschlüsse gegen die »Dema-gogen«. Heute teilt sich eine Jugendbegegnungsstätte das Gebäude in Kombination mit Ausstellungshaus und Wohnung Manfred Gniffkes, einem weiteren Kowelenzer Original. Ein kleiner Abstecher lässt einen Blick auf die Alte Burg werfen, das Burghaus der Bischöfe vom 13.-18. Jh., ehe sie sich das feudale Schloss am Rheinufer maßschneidern ließen.

Die Marktstraße, eine locker-lebhafte Einkaufsmeile, inspiriert zu Abweichungen von der Kultur. An der Kreuzung zum Altengraben faszinieren die Vier Türme mit ihren Prachtfassaden und der Laternenbekrönung über den Erkern dann doch. 1689-92 baute Hofbaumeister Joh. Christoph Sebastiani die markanten, einander zugeneigten Eckhäuser, die beispielhaft ein weiteres Stück »altes Koblenz« zeigen. Und so zweigt man ab und steht Am Plan, dank der vielen Straßencafes wohl noch immer die (informelle) Nachrichtenbörse.

Feine Läden säumen die Firmungstraße. Die Jesuitenkirche schiebt sich ins Bild, im weitläufigen Komplex des ehemaligen Jesuitenkollegs (1588- 1701) regiert die Stadtverwaltung, im Görres-Gymnasium wird gebüffelt. Mitten auf dem Jesuitenplatz behauptet sich der Anatom und Physiologe Johannes Müller (1801-88) auf dem Podest, während jenseits des Rathaustors der Schängel lauert. Im Juni 2003 verließen die Jesuiten Koblenz nach über 400 Jahren wegen sinkender Mitgliederzahlen des Ordens.
Am Görres-Platz und Rheinufer

Im Cafe räkeln sich zufriedene Gäste, beachten kaum die »»Historiensäule«, die Jürgen Weber als Reminiszenz an die Stadtgeschichte für diesen Platz schuf, vom römischen Weinschiff aufsteigend bis zur Jetztzeit. Die Kurfürsten sind passe, gegenwärtig nur noch in ihren Bauwerken, wie Clemens Wen zeslaus (1768-94), Auftraggeber des für den Mittelrhein einzigartigen klassizistischen Stadttheaters und des Kurfürstlichen Schlosses. Und unter all den Koblenzer Intellektuellen genießen nicht die Dichter höchstes Ansehen, auch nicht der Verleger Karl Baedeker oder der geniale Architekt Johann Claudius von Lassaulx, der immerhin den Vorzug genoss, mit >ihm< verwandt zu sein: Joseph Görres (1776-1848), Verleger des »Rheinischen Merkur«, Meister der politischen Satire und Mitschöpfer der deutschen Romantik taucht im Bild seiner Heimatstadt allenthalben auf – so im Görreshaus oder mit dem Görres-Denkmal, 1928 am Rheinufer errichtet. Hier steht der Jüngling nun riesig groß, stolz und sehr pathetisch mit Adler, spreizt die fünf Finger einer Hand zum Rhein hin. Fünf Pils heiße das, sagen die Koblenzer respektlos – und suchen einen der schönen Biergärten auf, am Ufer promenierend, und wenn es eben sein muss, bis zum Deutschen Eck.

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