Koblenz – Stadt an Rhein und Mosel

STADT AN RHEIN UND MOSEL

Eine Stadt voller Leben mit einer sorgfältig aus Kriegs¬trümmern restaurierten Altstadt, eine Stadt auch, die sich zu Ehrenbreitstein und ihrem Festungscharakter bekennt, ohne militaristisch zu wirken. Am Deutschen Eck schaut der Kaiser der ersten Einheit auf dem Denkmal stolz in die Lande, auf den Plätzen der Innen¬stadt versprühen originelle Brunnen Charme und ur- banes Lebensgefühl.

Reiseatlas: S. 239, F 1 Confluentes, die Stadt am Zusammenfluss von Rhein und Mosel, hat sich eigentlich immer viel stärker zum Mittelrhein hin orientiert, den die UNESCO im Jahr 2002 in den Rang eines Weltkulturerbes erhob. Die Mosel wurde eher als Hinterland empfunden, obwohl hier die römischen Wurzeln der über 2000 Jahre alten, heute kreisfreien Stadt zu suchen sind.

koblenz

Geschichte

Als Kaiser Heinrich II. 1018 die Trierer Erzbischöfe mit dem Königshof Koblenz beschenkte, setzte er eine Entwicklung in Gang, die den strategisch wichtigen Ort 1690 schließlich zur Kurfürstlichen Residenz aufsteigen ließ. Von Anfang an wurden hier weitreichende politische Entscheidungen getroffen: So wurde 842 die Reichsteilung verhandelt, 1137 Konrad III. in St. Kastor zum König gekrönt. Trotz heftiger Proteste konnte die Bürgerschaft zwar nie den Status einer Freien Reichsstadt gewinnen, ab 1815 aber war man immerhin Regierungssitz der preußischen Rheinprovinz. 1947 konstituierte sich der Landtag von Rheinland-Pfalz im Rathaussaal, 1948 beschloss die sog. Rittersturz-Konferenz im Berghotel Rittersturz die Bundesrepublik Deutschland, 1947-50 spielte Koblenz die Rolle der Landeshauptstadt, 1962 übersprang es die Latte zur Großstadt. Die Ernennung zur Universität, wenn auch im Tandem mit dem pfälzischen Landau, gab 1990 einen weiteren Innovationsschub.

Nach dem Abzug der französischen Truppen blieb Koblenz größter Standort der Bundeswehr in Deutschland, u.a. als Sitz des Heeresführungskom-mandos und der Bundeswehrfachschule. Garnisonsstadt war Koblenz seit seiner Gründung, denn schon die Römer sicherten ihren Machtbereich an der Mosel um 30 n. Chr. durch ein Erdkastell am heutigen Münzplatz, dem bis ins 4. Jh. massive Steinkastelle folgten.

Der Bau des Limes an der Rheingrenze 82 n. Chr. sollte die herandrängenden germanischen Völker in Schach halten. Die mittelalterlichen Herrschaften sicherten ab dem ersten Jahrtausend wichtige Überlandstraßen durch Burgen.

Festung Ehrenbreitstein

Im 12. Jh. bauten die Trierer Bischöfe Burg Ehrenbreitstein weiter aus, stellten im 13. Jh. die »Alte Burg» an die Mosel. Damals auch reservierte sich der Deutsche Orden den Zusammenfluss von Mosel und Rhein, die Stadtbefestigung wurde im 17. Jh. nochmals verstärkt. Ihre Qualität bewies die Festung Ehrenbreitstein zweimal auf spektakuläre Weise mit umgekehrten Vorzeichen, denn beide Male geschah ihre Übergabe erst nach Aushungern der Besatzung: 1633 kapitulierten die französischen Besatzer nach einjähriger Belagerung durch kaiserliche Reichstruppen, 1799 die kurtrierische Besatzung vor den französischen Revolutionstruppen, welche die Zitadelle 1801 in die Luft sprengten.

Kurtrier verlor Macht, Besitz und die Residenz Koblenz. Die Stadt wurde 1815 preußisch und neu befestigt. 1815-33 erstand die Festung nach Plänen des Generals Ernst Ludwig von Aster, der auch die südlichere Rotunde Fort Asterstein auf der Pfaffendorfer Höhe konzipierte. Nach 1918 wurden die Werke in der Altstadt, auf der Karthause und dem Maifeld abgetragen, nicht aber die Zitadelle. Vom Pegelhaus aus mit der Fähre nach Ehrenbreitstein übergesetzt, kann man sich mit der Sesselbahn zur Festung hieven lassen. Neueste Ausgrabungen belegen auf dem Gelände eine Flucht- und Schutzburg schon vor 3000 Jahren.

Das einst größte Bollwerk am Rhein wurde längst zur Jugendherberge und zum Landesmuseum Koblenz u. a. mit einer Schau handwerklicher Berufe und Audi-Autos von August Horch zivilisiert (März-Nov. tgl. 9.30-17 Uhr). Viel stärker als die Festung fällt übrigens schon vom Konrad-Adenauer- Ufer aus das leuchtend-barocke Di- kasterialgebäude ins Auge, die ehemalige erzbischöfliche Zentralbehörde, an dessen Planung Balthasar Neumann 1739 beteiligt war.

Unterhalb der Festung

Der Pulverdampf hat sich verzogen, kulturelle Spuren werden umso deutlicher: Die Dichterin Sophie La Roche lebte im Stadtteil Ehrenbreitstein, der gastfreundliche Salon des Hofrats war Treffpunkt der literarischen Elite, der Enkel Clemens Brentano wurde hier geboren. Im ehemaligen Schulhaus, dem heutigen Rhein-Museum, kam 1903 der Schriftsteller und Publizist Joseph Breitbach auf die Welt. Im Geburtshaus von Maria Magdalena Ke- verich, deren familiäre Wurzeln in Köwerich (Mosel) zu suchen sind, führt das Mutter-Beethoven-Haus vor allem in die Lebenswelt des berühmten Komponisten ein (Wambachstr. 204, 15. April—15. Okt. Di-Sa 12-17, So 12-16 Uhr). Die »»Ode an die Freude« aus seiner neunten Sinfonie wählten die geeinten Völker Europas zur Hymne.

Am Deutschen Eck

Einen »Faustschlag aus Stein« nannte Kurt Tucholsky 1930 nach dem Ende einer feucht-fröhlichen Moselreise den »Tortenaufsatz« und meinte damit das 1897 errichtete Kaiser-Wilhelm- Denkmal an der Mündung der Mosel in den Rhein. 1945 holten die Amerikaner den Hohenzollern vom Sockel, seit 1993 sitzt er wieder fest im Sattel, »dräut in die Lande« und ist ein gefragtes Fotomotiv.

Der Donnerhall braust zum Glück nicht mehr, der Rhein ist zur europäischen Schlagader geadelt. Kaiser, Pferd und Siegesgöttin haben den Fluss im Auge, die Stadt im Rücken – und damit auch das Ludwig Museum. ln dessen Innenhof reckt sich als origineller Kontrast zum pompösen Gestus des Denkmals der überdimensionale -Daumen« des französischen Bildhauers Cesar empor. Auf dem Gelände des altehrwürdigen Deutschherrenhauses wird speziell für moderne französische Kunst der 1960er- Künstlergeneration geworben, auf Initiative der eigenwilligen Kunstsammler Peter und Irene Ludwig, deren Stiftung den Grundstock für die Sammlungen bildet (Di-Sa 10.30-17, So 11-18 Uhr; Führungen Mi 16, So 15 Uhr). Das Gebäude gehörte der 1216 gegründeten, im 15. Jh. direkt dem Hochmeister unterstellten Deutschordenskommende, die der Landzunge an Rhein und Mosel den Namen »Deutsches Eck« gab.

Durch den Blumenhof gelangt man zur kath. Pfarrkirche St. Kastor. 1944/45 ging die Altstadt von Koblenz in Flammen auf, von der mächtigen, etwas düsteren spätromanischen ehern. Stiftskirche standen nur noch die Außenmauern. Erzbischof Hetti von Trier hatte den Vorgängerbau 836 geweiht, die Gebeine des hl. Castor von Karden hierher übertragen. Auf dem Vorplatz der Kirche erregt eine echte Kuriosität kopfschüttelnde Ratlosigkeit: ein Denkmalsockel ohne Denkmal! Nachdem Napoleons Russlandfeldzug in die Hose gegangen war, blieb der voll Vorfreude errichtete Siegesbrunnen -unbesetzt«. Als die Koalitionstruppen 1814 die Stadt einnahmen, nahm’s der russische Stadtkommandant mit trockenem Humor und fügte der Eloge auf den Kaiser sozusagen amtlich die Bemerkung hinzu: »Vu et approuve« (gesehen und genehmigt).

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