KUNST AM DEUTSCHEN ECK

Plätze für seine »Herzblättchen« hat Peter Ludwig allenthalben aufgespürt, wenn auch anfangs Städte und Gemeinden seine Bedingungen eher zähneknirschend akzeptierten. Die leidenschaftlichen Kunstsammler Peter und Irene Ludwig verlangten immer eine kommunale bzw. staatliche Gegenleistung für die Überlassung ihrer Objekte, meist in Form von Bereitstellung eines adäquaten Gebäudes oder der Beteiligung an Folgekosten. Die Vorleistungen der Stifter waren aber stets großzügig bemessene, thematisch gut abgestimmte Schenkungen bzw. Dauerleihgaben, bildeten also mehr als »nur« einen Grundstock für inzwischen weltweit renommierte Ausstellungsorte. Heute sind Städte von Köln bis Peking froh um ihre Museen und Institutionen, die in irgendeiner Form den Namen Ludwig tragen.

Deutsches Eck am Abend

Deutsches Eck am Abend

Das 1992 am Deutschen Eck in Koblenz eröffnete Ludwig Museum, etabliert im Deutschherrenhaus, hat als Bezugspunkt die konfliktreiche deutsch-französische Vergangenheit und setzt den Kontrapunkt dazu mit Sammlungen zeitgenössischer Kunst von den Nouveaux Realistes und Fluxus der 1960er über Pop-Art-Künstler des Nachbarlands bis zu den »jungen Wilden« der Figuration libre in den 1980ern und weit darüber hinaus. Die Idee zu einem solchen Museum in seiner Geburts- und Heimatstadt Koblenz fasste Peter Ludwig 1985 anlässlich der Verleihung des Kulturpreises in Dankesworte und ließ alsbald Taten folgen.

Just in jenen Tagen flammte aber auch das Koblenzer Dauerthema wieder auf: Wollen wir unsern alten Kaiser Willem am Deutschen Eck wieder haben – oder nicht? Die 25 Tonnen schwere Kupferblechfigur des 1871 in Versailles gekrönten Kaisers der ersten deutschen Einheit war am 16. März 1945 von amerikanischer Artillerie heruntergeballert worden. Eine schwarz-rot-goldene Fahne zierte statt- dessen den 1953 von Bundespräsident Theodor Heuss in den Rang eines »Mahnmals der Deutschen Einheit« erhobenen verwaisten Denkmalsockel. Die zweite Deutsche Einheit lieferte 1990 gewichtige Argumente für die Rückkehr des nun 63,5 Tonnen schweren, in Bronze gegossenen Kaisers, was am 25. September 1993 durch den größten mobilen Gittermastkran Europas erfolgte. In der ihm eigenen nonchalant weltmännischen Lebensart, die ihn genauso selbstverständlich offizielle wie verfemte DDR-Kunst sammeln ließ, hatte sich auch Peter Ludwig mit seiner Stiftung an der vom Koblenzer Verleger Dr. Werner Theisen angeschobenen Spendenaktion für einen Neuguss des Reiterstandbilds beteiligt. Für Beobachter irritierend, da gerade dieser Kaiser den -Erbfeind« Frankreich doch schwer gedemütigt hatte. Wie vertrug sich das Engagement Ludwigs mit seiner frankophilen Einstellung? Immerhin hatte er 1950 über »Das Menschenbild Pi- cassos« promoviert.

»Mich interessiert Kunst«, antwortete der Mäzen stets kurz und bestimmt auf kritische Einwände. 1925 geboren, mütterlicherseits mit der Klöckner-Industriel- lenfamilie verwandt, studierte Peter Ludwig nach 1945 Jura, dann Kunstgeschichte, Archäologie, Vor- und Frühgeschichte und Philosophie. 1951 heiratete er seine Studienkollegin Irene Monheim aus der Aachener Schokoladendynastie. 1957 begannen beide promovierten Kunstwissenschaftler mit dem Sammeln von Kunst aller Art – von präkolumbianisch bis Meißener Porzellan, ausdrücklich von Anfang an nicht für den eigenen Panzerschrank, sondern zugunsten der Öffentlichkeit und mit einem sicheren Instinkt für Qualität und Innovation.

Sammeln ist eine Form von Sucht, Naschen auch. Peter und Irene Ludwig machten daraus eine Kunst für die Kunst. Der -süße« Familienkonzern lieferte den finanziellen Nachschub für die Ankäufe, die die Museenlandschaft nachhaltig zum Blühen brachten. Ludwig Schokolade mit Marken wie Trumpf und Novesia gehört seit 1998 nach Verkauf durch Irene Ludwig allerdings dem Krüger Konzern. Die Ehe war kinderlos geblieben. Am 22. Juli 1996 starb Peter Ludwig ganz plötzlich an einem nicht rechtzeitig erkannten Blinddarmdurchbruch.

Dem Kunsthistoriker Reinhold Schommers zufolge war Peter Ludwig 1964 erstmals mit einer Schenkung für die Alte Kirche in St. Aldegund (s. S. 167) als Stifter in Erscheinung getreten. Als Gegenleistung hatte er sich an diesem wunderbar idyllischen Platz über dem Moseltal eine Grabstelle ausbedungen. Hier ruht er nun nahe zweier seiner »Herzblättchen«.

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