VON COCHEM BIS ZUR BURG ELTZ 4

Müden

Reiseatlas: S. 239, D 2

Die kath. Pfarrkirche St. Stephanus, im Kern vor die erste Jahrtausendwende zu datieren, für ihre Glasfenster (13. Jh.) berühmt, ist dank ihres auffallenden Westturms mit dem Rhombendach ein beliebtes Malermotiv. Eine unauffällige Tafel lokalisiert an der Uferstraße ein zum Weingut gewordenes Halfenhaus, das die Gastro-Tradition vor der Kanalisierung des Flusses repräsentiert. Damals zogen die von den Moselschiffern angeheuerten Halfen (Treidler-Bauern) mit ihren Pferden die Schiffe flussaufwärts und waren auf solche Rastplätze angewiesen.

Gastlich aufgenommen wurde der Legende nach auch Petrus, der in den alten Zeiten, als Jesus mit seinen Jüngern noch auf Erden wandelte, in Müden einen Holzhumpen randvoll mit Wein erstand und vergeblich versuchte, ihn heil auf holprigem Weg zu befördern, immer wieder die überschwappende Köstlichkeit abtrank und den Becherrand zur Vertuschung mehrmals abschnitt. Seinen Gefährten tischte er die Lüge auf, die Humpen an der Mosel seien miserabel klein. Der HERR habe daraufhin geantwortet, Petrus möge das >Miseräbelchen< behalten. Auf diese Begebenheit soll die moselanische Bezeichnung für kleine Schoppen zurückgehen.

So anfechtbar diese Erzählung, so sicher ist Müden Herkunftsort des Koblenzer Publizisten, Professors und Politikers Joseph von Görres (s. S. 213), dessen Familie mit dem hiesigen Gör- res-Haus ein Denkmal gesetzt wurde.

Moselkern

moselkern

Reiseatlas: S. 239, D 2 Am Ufer gegenüber dräut der Druidenstein, ein dreieckiger Hunsrückberg, der einst eine vorgeschichtliche Befestigung trug. Dem folgt in der Hitliste der Sehenswürdigkeiten die Stele von Moselkern bzw. das Merowingerkreuz (um 700). Vor der kath. Pfarrkirche St. Valerius steht nur eine Kopie der Plastik aus Basaltlava, das Original ist im Rheinischen Landesmuseum in Bonn.

Attraktives Fachwerk, wie der polygonale Erker am historischen Rathaus (1535), dem ältesten der Mosel, mischt sich in dem adretten Winzerdorf mit Bruchstein-Architektur aus der Gründerzeit. Beispielhaft dafür das Haus Schunck, über dessen bizarrem Formenreichtum selbst der Park verblasst. Auf der Gartenterrasse des Hauses Scholz, des ehern. Halfen- hauses (1738), soll der Trierer Domorganist Georg Schmitt 1846 erstmals das »Mosellied« geschmettert haben, komponiert zu Theodor Recks Versen: »Oh Moselland, oh selig Land! Ihr grünen Berge, oh Fluss und Tal, ich grüß euch von Herzen vieltausendmal!«

Münstermaifeld

Reiseatlas: S. 239, E 2 Wie eine Spinne im Netz sitzt Münstermaifeld im Straßenkreuz, auf dem weiten, landwirtschaftlich geprägten Maifeld. Über 700 Jahre Stadtrechte, mehr als 1000 Jahre Markt, Versammlungsgelände der Franken, Königshof, Aufmarschgebiet von Truppen aller Couleur – ein ganzer Stapel von Erwartungen geleitet Besucher in die kleine Stadt. Eventuelle erste Enttäuschung weicht dem Staunen angesichts der kolossalen ehern. Stiftskirche St. Marti- nus und St. Severus (offen), die man so hier nie vermuten würde.

Die heutige Pfarrkirche entstand im 6. Jh. aus einer Urpfarrei und wurde bald zum Kollegiatsstift der Augustinerchorherren, dessen bedeutendster Propst im 15. Jh. der spätere Kardinal Nikolaus von Kues war (s. S. 129). Der Sage nach stammt das Material des Westwerks von einem Moselsteilhang, dessen Gestein beim Plämmern wie eine Glocke klang. Ein Lamm habe einem Steinmetzen die Stelle gewiesen, sei kurz vor einem Bergrutsch rettend wieder erschienen und – die Steine reichten aus. Ein Teil des Westwerks ist tatsächlich aus Bruchstein erbaut, aber kombiniert mit Tuff und Trierer Buntsandstein. Fast orientalisch mutet der wehrhafte hochromanische Mittelturm an, von einem frühgotischen Zinnenkranz gekrönt, schlanken Rundtürmen flankiert. Eine Fülle von Stilarten harmoniert wunderbar miteinander: der spätromanische polygonale Chor, die klaren Formen des früh- bis spätgotischen Langhauses, das hochgotische südliche Paradies, die barocke Stumm-Orgel. Das vertikale Prinzip wird betont, aber immer wieder wirkungsvoll durch Simse und Zwerggalerien zurückgeholt. Andacht und Stille mischen sich wie von selbst.

Kaum vorstellbar, dass das Stift im 17. Jh. in Flexenprozessen aktiv war, verzweifelte Menschen auf dem Scheiterhaufen endeten (Führung: Claudia Schneider, Tel. 02605/48 64).

Burg Eltz

Reiseatlas: S. 239, D 2 Zuletzt verewigt als Motiv der 500-DM- Note, eine wahre Bilderbuchburg, taucht sie unwirklich märchenhaft mit einem Mal aus den Wäldern auf. Üblicherweise schaut man zu einer Burg auf, sofern sie nicht in der Ebene umwässert liegt. Vom Parkplatz im Eltzer Wald zur Aussichtsterrasse spaziert, blickt man aber auf Burg Eltz hinab und wundert sich umso mehr, dass sie nie erobert wurde, was von hier aus kinderleicht hätte sein müssen. So unbedeutend, dass Kurfürst Balduin seine als Widerpart gegen die Eltzer Grafen 1331 gebaute Burg Trutzeltz auf dem nahen Hang letztlich nur entnervt aufgab, weil er sich mit der Belagerung lächerlich machte?

Ein Sonntagskind? 1689 verhinderte ein Eltz-Bürresheim, General in französischen Diensten, die Zerstörung in äußerst brenzliger Situation. Im Unter-schied zu Münstermaifeld, das ein französischer Marschall 1691 aus purer Dummheit niedergebrannt hatte, weil er es mit Münstereifel verwechselte, blieb die Burg kriegerisch immer verschont. 1920 deckte eine Feuersbrunst einige Dächer ab, derer es auf diesem vom Elzbach umflossenen Hügelkegel zahlreiche gibt. Bildschön ist die Burg, im Innern reich ausgestattet, bezaubernd dank der Fachwerkpartien, Erkerchen und der auf ihrer Vergangenheit als Ganerbenburg basierenden Türme, in denen die Eltz-Familien einträchtig lebten. Die Linie Eltz-Kempe- nich zählt zu den ältesten deutschen Adelsgeschlechtern (April-Okt. tgl. 9.30-17.30 Uhr, Fax 02672/950 50 50, Führungen alle 10-15 Min.).

Burg Pyrmont, im 13. Jh. weiter hinten im Tal über dem Wasserfall des Elzbachs errichtet, wurde nach der Zerstörung 1689 zu einem behäbig ba-rocken Schloss unter Beibehaltung des Bergfrieds aufgebaut, im 19. Jh. auf Abbruch verkauft und in den 1960ern sorgfältig restauriert zur Erleb-nisburg umgemodelt. (Besichtigung: Juni-Aug. 10-17, Mai, Sept., Okt. 11-16 Uhr; Gasterey: Tel. 0 26 72/80 21, Fax 91 01 19, April-Okt. Mi-So 10-18 Uhr, März So. Öffentliches Rittergelage: April-Dez., 1. Fr im Monat, 19 Uhr, Menü 35 €, Kinder nach Alter. www.burg-pyrmont.de).

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