VON HATZENPORT BIS WINNINGEN 3

Zwei Heilige unter einem Dach

Als einer der früh missionierten Winkel des Moseltals hatte Kobern der Überlieferung nach zwei Heilige unter seinem Dach: den ganzen hl. Lubentius und den Kopf des Apostels Matthias. Die kath. Pfarrkirche St. Lubentius ist dem Schüler des hl. Maximin geweiht, der im 4. Jh. durch die Lande zog. Johann Claudius von Las- saulx, der renommierteste Baumeister der Region im 19. Jh., schuf 1826-29 mit dem Saalbau bis in die gestalteri-schen Details hinein und unter geschickter Einbindung von Kunstgegenständen der Vorgängerkirche ein Meisterwerk. Die Gebeine des Heiligen waren damals längst schon ins Stift Dietkirchen an der Lahn übertragen, in Kobern nur ein Arm des Lubentius als Reliquie verblieben. Der Glockenturm aber verkündet auf einem Felsgrat unbeirrt seit dem 12. Jh. aus Klangarkaden über einem ungegliederten Baukörper Gottes Lob.

Lassaulx war auch an einer Restaurierung eines der schönsten Baudenkmäler des Mosellands beteiligt. Heinrich II. von Isenburg-Kobern erbaute um 1230 für das Haupt des Apostels Matthias, das er aus dem Heiligen Land entführt hatte, über Kobern die Matthiaskapelle, einen sechsseitigen Zentralbau mit einer von Lisenen geschmückten Apsis. Sie verleugnet auch im Innern nicht den Typus einer Reliquienkapelle. Ob nun in den Säu-lengruppen oder im Rippengewölbe, alles verengt sich auf die zentrale Funktion hin. Orientalische Einflüsse sind unverkennbar, Anklänge an die Jeru-salemer Grabeskirche oder portugiesische Vorbilder wahrscheinlich. Seit dem 14. Jh. verwahrt Triers Abtei St. Matthias den Apostelkopf, der Kapelle blieb ein Sandsteinrelief der Enthauptung des Matthias.

St. Lubentius Kirche

St. Lubentius Kirche

In jüngster Vergangenheit drohte das landeseigene Bauwerk wegen Durchfeuchtung zu verfallen und wurde in einer dramatischen Rettungsaktion sa-niert. Die Kapelle übernimmt seither die Funktion eines Konzertraums, schmiedet Ehen und bildet mit der spät-stau- fischen Oberburg ein attraktives Ensemble für Gäste aller Art (Ostern-Allerheiligen So 11-17 Uhr, Führungen vermittelt das Restaurant). In den Bergfried integriert ist das winzige Oberburg Restaurant, das in seiner exquisiten Intimität überzeugt (s. u.).

Zu Fuß bergab, die restaurierten Kreuzwegstationen und das wunderschöne Panorama vor Augen, kommt die malerisch ruinöse Niederburg immer näher, die um 1200 ebenfalls von den Isenburg-Koberner Herrschaften mit einem seltenen trapezförmigen Bergfried auf den Fels gesetzt wurde. Im Ort lohnt sich ein Gang zum fachwerkreichen Marktplatz mit dem Tatzelwurmbrunnen (1961), zum einstigen Burghaus, einem Bruchstein- Wohnturm des 15. Jh., und natürlich zur Tourist-Info im Abteihof St. Marien, der mit Datierung 1320/21 wahrscheinlich Deutschlands ältestes Fach-werkhaus ist.

Goloring

Reiseatlas: S. 239, E 1 Der Goloring nördlich von Kobern ist nur etwas für eingefleischte Keltenfans. Die Kultanlage der Urnenfelder- und Hunsrück-Eifel-Kultur (9.-4. Jh. v. Chr.) ordnen Archäologen wie Axel von Berg den Henge-Heiligtümern (wie Stonehenge) zu. Grabungen seit 2004 könnten den Traum touristischer Erschließung wahr werden lassen. Über Ko- bern-Gondorf soll auch ein römisches Kastell gestanden haben, das der Feldherr Germanicus mit dem Söhnchen Gaius, genannt Caligula, bewohnte, wenn er das »Soldatenstiefelchen« nicht gerade auf Feldzüge mitnahm. »Weiterhin führt mich der Strom dem von Kähnen überquelienden Contrua zu, wo sich aus alter Zeit berühmt die Feste erhebt«, besang Venantius Fortu- natus im 6. Jh. die Region, freute sich seines Lebens und setzte die Moselreise nach Winningen und Koblenz fort.

Winningen

Reiseatlas: S. 239, F 1 Reinhard Löwenstein gehört zu den Winzern, die den Moselwein nachhaltig rehabilitierten. Schon früh warb er dafür, die Untermosel in »Terrassenmosel“ umzubenennen, um die Charakteristika der Landschaft auf der Basis kleinstruktureller Terroirs zu betonen. Der Uhlen, die renommierteste Lage der Untermosel, ist ein einzigartiges Terrassenkunstwerk.

Winningen hat mancherlei Vorzüge, die eine erfolgreiche Weinpolitik begünstigen: Es liegt in direkter Nachbarschaft zu Koblenz, damit nahe genug an den städtischen Zentren am Rhein, hat sich aber >ländiiche< Idylle bewahrt, um echt moselanisch zu wirken. Uralt der Ort, seine Geschichte reicht mindestens in die Römerzeit zurück, renommierte Adelsgeschlechter tauchten hier aus dem Dunkel auf, balgten sich erbteilend um Besitz und Macht. Die Kirche romanischen Ursprungs spiegelt mehrere Epochen wider, ist aufgrund Sponheimer Herrschaft evangelisch in einem katholischen Umfeld. Hübsche Bürgerhäuser prägen das Ortsbild, opulente Villen und Gutshöfe geben ihre Visitenkarte ab, ein umgestalteter Marktplatz verlockt zum Verweilen.

Trotz guter Verkehrsanbindung hält man Abstand zur Autobahn und der berühmten, das Moseltal überspannenden Brücke. Trotzdem schwebt Benzingeruch über dem Ort: In Winningen ist der Autopionier August Horch geboren (s. S. 201).

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